Songs of Gastarbeiter – Vol. 1


Songs of Gastarbeiter Vol. 1

compiled by Imran Ayata & Bülent Kullukcu (AYKU)
TRIKONT US-0453 CD + 2LP-VINYLEDITION

Mit: Ozan Ata Canani / Cem Karaca / Aşık Metin Türköz / Aşık Divane / Gülcan Opel / Selda / Mahmut Erdal / Zehra Sabah / Gurbetci Rıza / Yusuf / Ali Avaz / Derdiyoklar / Derdiyoklar / Yüksel Özkasap / BONUSTRACKS: Cem Karaca (AYKU Remix) /  Gurbetci Rıza (AYKU REMIX)

Der Berliner Autor Imran Ayata und Münchner Künstler Bülent Kullukcu wühlten in Archiven, durchforsteten Musiksammlungen ihrer Eltern und Bekannten, nervten Freunde und Fremde, um Songs der ersten Einwanderergeneration zu finden. Erstes Zwischenergebnis: Über hundert Lieder Made in Almanya, die von den ersten Jahrzehnten der Einwanderung in Deutschland handeln.

Eine Auswahl dieser Songs findet sich auf Songs of Gastarbeiter Vol. 1 (Trikont). Auf diesem Album sind Musiker aus der Türkei vertreten. Zudem beschränkt sich die Musikauswahl auf Songs bis Anfang der 1990er Jahre. . Erinnert man sich in Deutschland an diese Einwanderergeneration, dann ist der Blick durch Klischees und rassistische Zuschreibungen getrübt: Assoziationen von Männern mit traurig-melancholischen Blicken, die Zigarette rauchend Bahnhofshallen belagern, oder Familien, die für aufsteigenden Grillrauch in Stadtparks sorgen, sind noch immer gängig. Was damit zu tun haben könnte, dass sie im Narrativ der Mehrheitsgesellschaft mehr Platz einnehmen als beispielsweise die Lieder der Gastarbeiter. Ein wesentlicher Antrieb von AYKU bei diesem Projekt besteht darin, Unbekanntes bekannt zu machen und diese vielfältige Musikkultur zu dokumentieren, damit sie nicht verloren geht.  AYKU heben musikalische Schätze, die hierzulande kaum bekannt sein dürften und außerdem der Gefahr ausgesetzt sind, verloren zu gehen. Die allermeisten Songs ließen AYKU unberührt, bei einigen entschied sich das Duo für Remixe. Den Musiker Ozan Ata Canani baten die beiden, seinen Ohrwurm „Deutsche Freunde“ im Studio neu aufzunehmen, weil von diesem Juwel keine Aufnahme existierte.

Die Biografien der Musiker auf Songs of Gastarbeiter Vol.1, ihre musikalischen Stile, die Inhalte ihrer Songs sind unterschiedlicher als man vermuten mag. Wenn man sich die damaligen gesellschaftlichen Realitäten vor Augen führt und sich in die Lage dieser Generation versetzt, dann ist es nicht weiter überraschend, dass viele Musiker Themen wie Sehnsucht und Trennungsschmerz behandeln (z. B. Mahmut Erdal, Gülcan Opel, Zehra Sabah) oder Almanya zur „bitteren Heimat“ deklarieren, wie Selda es in ihrem Cover des Ruhi Su Klassikers „Almanya Acı Vatan“ tut. Auch nicht weiter verwunderlich ist, dass die Arbeitsbedingungen im Betrieb und in der Fabrik eine herausgehobene Rolle spielen (u. a. Aşık Metin Türköz, Gurbetçi Rıza). Die eigentliche Gemeinsamkeit dieser Künstler besteht für AYKU darin, dass sie Pioniere waren. Pioniere, weil sie sich und ihren Alltag zum Thema machten, sich nicht nur leidend, sondern auch kämpferisch und ironisch gaben und scharfsinnige Beobachter der deutschen Gesellschaft waren. Pioniere, weil sie neue Musikstile wie anatolischen Disko-Folk kreierten (Derdiyoklar) und sich im Crossover versuchten (z. B. Ali Avaz) oder mit Sprechgesang experimentierten, lange bevor es deutsch-türkische Rapper gab. Pioniere, weil sie den Sound des Arabesk in Deutschland einführten (Yüksel Erkasap) und elegant wie virtuos mit dem Mix der Sprachen jonglierten (z. B. Aşık Metin Türköz, Aşık Divane, Cem Karaca) und der deutschen Sprache einen eigenen Ton verliehen (z. B. Ozan Ata Canani).

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Deutscher Geschichtsunterricht, Nachsitzen!

 

Es ist ja nun schon sehr viel öffentlich über »Songs of Gastarbeiter, Vol.1« gesagt und geschrieben worden. Album der Woche hier, Leitartikel dort. Das mediale Interesse an diesem Fundschatz ist immens. Aber reden wir mal Klartext.

 

Wenn selbst eine Kaufempfehlung anmerkt, dass »man« nur die Hälfte der Texte verstehe, die andere sei ja Türkisch, dann möchte man sich schon wieder fremd schämen. Oder flehen: Privatdetektiv Kemal Kayankaya, bitte kommen! Wie kein Zweiter wusste der, der deutschen Perspektive einen Spiegel vorzuhalten, deren Rassismus zu entlarven. Wenn ihn sein Autor Jakob Arjouni Sätze denken und sprechen ließ wie: »Sie besuchen Ausstellungen in New York und gehen auf Safari in Afrika; sie kiffen in Kairo, essen japanisch und wollen Moskau Demokratie beibringen; sie sind international bis auf die Pariser Unterhose – aber einen Türken ohne Sperrmüll unterm Arm und zehn ungewaschenen Kindern an der Hand, das geht nicht rein in ihren Schädel.«

Ähnlich wie Kayankaya mag es oft den Autoren dieses Albums gehen. Immer wieder finden sie sich in Situationen wieder, wo sie auf ihre türkische Identität verwiesen werden, zurückgeworfen auf ihre Nicht-deutsche-Identität. Immer wieder Gesten der Ausgrenzung. Wie tief die exotisierenden Mechanismen als Selbstläufer in der deutschen Gesellschaft drin stecken, das belegt in diesem Zusammenhang allein die Tatsache, dass Türkisch noch immer nicht in den Schulen auf dem Lehrplan steht, und kaum einmal als Fremdsprache angeboten wird. Im deutschen Bildungsbürgertum gibt es kaum ein Bewusstsein über die eigenen Berührungs- und Integrationsprobleme.

 

Systemimmanenter Rassismus

Dementsprechend irritiert zeigt sich Bülent Kullukcu nun über das starke Interesse an der Compilation, die bewusst den Begriff »Gastarbeiter« verwendet, weil er weh tut. »Die türkischen Jugendlichen der 1970er und 1980er Jahre wussten genau was los war. Die lebten ja mit der Mode der Zeit. Aber man ließ sie eben so gut wie nirgends rein. Sie waren für die deutsche Gesellschaft nicht existent. Und jetzt wollen auf einmal alle eine deutsche Geschichte daraus machen.« In der Rückschau das Fremde integriert, musealisiert. Dass der systemimmanente Rassismus im Deutschland von heute türkische und andere Realitäten noch immer kaum wahrhaben, geschweige denn haben will, dass Deutschland von einer Klassengesellschaft geprägt ist, die einem hier geborenen Nachkommen der sogenannten Gastarbeitergeneration erst das Ausländersein schwierig, dann das Deutschsein unmöglich macht, das soll im öffentlichen Bild hingegen, wenn überhaupt, lieber der alten Bundesrepublik angehängt werden.

Wie schief dieses Bild hängt, dazu genügt die Betrachtung einer aktuell stattfindenden Diskussion, die um ein Projekt der Münchner Kammerspiele entbrannt ist. Da werden in einem öffentlichen Gesuch »südländisch« aussehende Menschen eingeladen, deutsche Theaterbesucher durch das Hauptbahnhofviertel zu führen, ganz wie in einer Menschenschau, um nicht zu sagen wie in einem Zoo. Auf die kolonialistische Perspektive musste die Theaterdirektion erst aufmerksam gemacht werden. Der Musiker, Theatermacher und Galerist Kullukcu gehört zu der Gruppe derer, die sich öffentlich empören. Darüber, dass solch eine Geste ausgerechnet von der vordergründig aufgeklärten deutschen Hochkultur kommt. Die, salopp gesagt, vergessen hat, ihre Hausaufgaben zu machen.

 

Der Autor Imran Ayata und Bülent Kullukcu haben also nicht zuletzt aus einem wütenden Anliegen heraus diese leidenschaftliche Sammlung vorgelegt – daher wurde an dieser Stelle statt einer Musikbesprechung ausnahmsweise soziologisiert. Die Songs auf Vol.1 machen in jedem Fall sehr großen Spaß. Da finden sich fröhliche Mitsinglieder und Mutmacher wie »Guten Morgen Mayistero« oder wir hören Verse der Unmut wie »Es wurden Arbeiter gerufen, doch es kamen Menschen an. Wir Menschen waren nicht interessant, darum blieben wir euch unbekannt.«

Alles weitere verrät das Beiheft.

 

Skug

 

 

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Alles Mögliche: Die Compilation widmet sich dem verschollenen Liedgut der ersten Migrantengeneration in Deutschland.

Es war nur eine Frage der Zeit, bis sich jemand auf die Suche nach dem zu Unrecht weitgehend verschollenen Liedgut der ersten Einwanderungsgeneration in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg machen würde.

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Der FAZ-Wehnachtstipp vom Wochenende:

FAZ-Weihnachtstipp

 

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Bei diesem Albumtitel hätte man eigentlich ein ganz anderes Cover-Artwork erwarten müssen. Rauchende Schlote oder trittbrettfahrende Müllmänner vielleicht, oder eine Wirtschaftswunderzigarette – statt dessen friedliche, alpenländische Bergidylle, Orte an denen man sogenannte Gastarbeiter eher selten findet. Da ist erst einmal die hohe Interpretationskunst gefragt. Und wenn hier von Gastarbeitern die Rede ist, dann sind in erster Linie die Arbeitskräfte aus der Türkei gemeint, die in den 60ern und 70ern kamen und mithalfen, das deutsche Wirtschaftswunder zu beschleunigen.

Imran Ayata (Autor, geboren in Ulm) und Bülent Kullukcu (Allround-Künstler, geboren in Markt Indersdorf) haben intensisve Forschungsarbeit betrieben und Dutzende von Liedern der „early Gastarbeiter” zutage gefördert, die alle mit der Migrationsrichtung Türkei – Deutschland zu tun haben. Und schon sind wir mitten drin in der damit verbundenen Problematik, die auch im Booklet zu dieser CD ein großes Thema ist. Einerseits brauchte man sie damals, weil sich Deutsche für viele Arbeiten zu fein waren, andererseits wurden sie ausgegrenzt, weil sie anders waren und eine fremde Kultur repräsentierten. Kein Mensch hat damals die Tragweite des Fehlverhaltens und der Fehlentscheidungen deutscher Bürger und deutscher Behörden vorhergesehen und heute haben wir sowohl die Quittung als auch den Salat: eine ausgeprägte Parallelgesellschaft, Bürger zweiter Klasse, eine schlecht ausgebildete Migrationshintergrundjugend zwischen allen Stühlen, ein verschwindend geringer Anteil an Türken, die es hier bis in die oberen Etagen der Gesell­schaft geschafft haben.
Ayata und Kullukcu präsentieren einen ersten musikalischen Überblick aus der Sichtweise der ersten Einwanderergeneration. Songs von bizarrer Skurrilität und tiefempfundenem Heimweh, Songs über die neue „bittere” Heimat, Songs von Frust und Kampf. Und es erstaunt immer wieder, wieviel Selbstironie und Humor in manchen Stücken steckt. Stilistisch geht es äußerst verschieden her, von traditionell bis gerockt, von Disco über Sprechgesang bis Arabesk, die ganze Palette von Anatolien bis Istanbul. Es gibt viel zu entdecken bei den Songs of Gastarbeiter.
sound & image
Music of Germany’s migrant workers revived in new compilation

The Guardian – London 25.10.2013

Cultural contribution of Turkish ‘gastarbeiter’ of 1970s and 1980s remembered in revival

The song Deutsche Freunde (German Friends) by Ozan Ata Canani starts with a furious riff on the electric saz, a traditional Turkish string instrument. Its refrain, sung in German, is a quote by the Swiss writer Max Frisch, summing up the ambivalence with which German-speaking countries met Gastarbeiter, or guest workers, from southern Europe: “We asked for workers. We got human beings instead.”In the 1970s and 80s, the song was a hit among Turkish expat workers in Germany – now it is practically unknown. Canani, who arrived in North-Rhine Westphalia from Turkey as 12-year old in 1975, is part of a generation of migrants whose hard work – as steel workers, bin men or musicians – got little recognition.

HIER WEITERLESEN AUF GUARDIAN.COM



“Kassetten gab’s im Import-Export-Laden”
Münchner Merkur 09.11.2013
“Ein Meilenstein der deutschen Kultur – Songs of Gastarbeiter”: Bülent Kullukcu erzählt, warum er eine CD der Musik türkischer Immigranten gewidmet hat.
HIER GANZEN ARTIKEL LESEN

 

 

“Als Papa in Almanya war”
Abendzeitung München 08.11.2013
“Das Münchner Label Trikont liefert mit “Songs of Gastarbeiter” einen vergessenen Teil der bundesdeutschen Musikgeschichte”.
HIER GANZEN ARTIKEL LESEN

 

 

“Songs of Gastarbeiter”

Hessischer Rundfunk “Kulturen” – Radiobeitrag vom 27./28.10.2013

“Songs of Gastarbeiter” – so heißt ein musikalisches Sammelalbum, das in diesen Tagen auf den Markt kommt. Darauf sind Gastarbeiter-Lieder, die sich nach fremdländischer Folklore anhören. Sie sind in Deutschland entstanden und erzählen ein Stück Geschichte.

HIER ZUM GANZEN ARTIKEL + SENDUNG/PODCAST AUF HR.DE

 

 

“Melodien der Malocher”

Der Tagesspiegel – Berlin 25.10.2013

Ein Album gräbt die Lieder türkischer Gastarbeiter aus: Ein Treffen mit Sänger Riza Taner und Initiator Imran Ayata.
Ein Liedtext als pampiger Dialog mit der deutschen Sprache? Wäre man so jetzt nicht drauf gekommen. Was Gurbetçi Riza da vor mehr als 30 Jahren in seinem schrillen Türkendisko-Song „Dır Dır“ singt, klingt eigentlich mehr wie ein Schlagabtausch eines Arbeiters mit dem Meister, auf dessen Gemoser er überhaupt keinen Bock mehr hat. So nach dem Motto „Laber’ du nur weiter, Alter, höre ich sowieso nicht drauf“. „Dır Dır“ heißt auf Türkisch nämlich so viel wie „Bla Bla“. Doch Riza Taner, wie der Sänger von damals eigentlich heißt, besteht darauf: „Ich habe immer schwer mit dem Deutschen gekämpft und im Liedtext tatsächlich sowohl die Sprache als auch einen Chef gemeint.
Für Sprachtalente jetzt nachzuprüfen auf dem großartigen Album „Songs of Gastarbeiter“, für das der Berliner Autor Imran Ayata und der Münchner Künstler Bülent Kullukcu, Musiker wie Riza Taner wieder ausgegraben haben.

HIER ZUM GANZEN ARTIKEL AUF TAGESSPIEGEL.DE

 

“Almanya ‘beat’ vatan”
Artikel in RADIKAL / Tageszeitung in Istanbul



HIER GANZEN ARTIKEL AUF RADIKAL.COM LESEN

 

 

Einen Filmbeitrag im BR-TV-Magazin PUZZLE
von Michaela Wilhelm-Fischer zu
SONGS OF GASTARBEITER gibt es     HIER ZU SEHEN
(bei Minute 23)

 

 

“Heute ist für mich schöner Tag

Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung – 19./20.10.13

“…  Ayku – so nennt sich das Duo Ayata und Kullukcu – hat das Album zusammengestellt. Es vereint sechzehn auf Deutsch und auf Türkisch gesungene, längst vergessene Lieder einer Musikrichtung, die droht, verloren zu gehen: Eine Musik made in Almanya von Türken der ersten Gastarbeitergeneration. Es ist ein Schatz, vielleicht der größte, der seit langem in Deutschland gehoben wurde – musikalisch, da man bei den meisten Liedern sofort lostanzen will, aber auch, was die deutsche Einwanderungsgeschichte angeht. …”


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