Neigungsgruppe Sex, Gewalt & Gute Laune – loss mas bleibm

Neigungsgruppe Sex, Gewalt & Gute Laune COVER loss mas bleibm
„Sososo, die FM4 Herren sind nicht ausgelastet, nehmen in den Kaffeepausen eine Hommage an das Wienerlied auf und weinen sich gegenseitig die Rockzipfel feucht“

schrieb vor langer Zeit The Gap aus Wien. Und die Herren Moderatoren von FM4 sind immer noch:
David Pfister. Fritz Ostermayer. Robert Zikmund. Christian Fuchs. Und zusammen sind sie zum allerallerletzten Mal die

NEIGUNGSGRUPPE SEX, GEWALT UND GUTE LAUNE
loss mas bleibm

FOI NET UM – VIDEO SPÜ – FLUCHZEIG – ESKIMO GIRLS – SPIEGELGRUND – BAR ZU DEN SIEBEN PLAGEN – I HOB AN GRUND – A GUADA MANN – GEH KUMM HEARST – LENZIBALD – I LIEG AM RUCKN – DER BLITZ – ALLES MUSS ZU EINEM ENDE KOMMEN – WÜDE HUND

Wir sind nicht die ersten, die das zur Ikone gewordene Cover des letzten Beatles-Albums „Let It Be“ covern. Das slowenische Künstler/Musiker-Kollektiv Laibach drehte bereits 1988 nicht nur die Hülle, sondern auch die Songs dieser LP durch ihren dekonstruktivistischen Fleischwolf. Eine herrlich sinnlose Großtat! Aber danach machte die Band trotz Einladung des Albumtitels, es nun gut sein zu lassen, einfach weiter. Inkonsequent, wie wir finden. Oder konnten Laibach nur besser Englisch als wir?

Wir, die Neigungsgruppe Sex, Gewalt und gute Laune, schummeln uns jedenfalls gern über die korrekte Übersetzung hinweg („Lass es geschehen“ erscheint uns doch zu gottergeben) und verbiegen lieber das Englische ein letztes Mal ins Wienerische: „Loss mas bleibm“, auf gut Hochdeutsch „Lassen wir es bleiben“. Or in English please: „Let’s quit“ – was ja auch der passendere Abschiedstitel für die danach getrennte Wege gehenden Beatles gewesen wäre.

Doch bevor wir es als Neigungsgruppe nun tatsächlich bleiben lassen, wollten wir zum Grand Finale noch einmal gründlich klotzen (genug gekleckert)! Z.B. mit einem Genie von Produzenten, der unsere Stärken und Schwächen bereits nach dem ersten Glas Wein in seinem idyllischen Studio im steirischen Niemandsland besser kannte als wir selbst. Bernd Heinrauch ist sein Name, und er sei gepriesen! Z.B. mit befreundeten GastmusikerInnen wie Soap&Skin, Oliver Welter (Naked Lunch), Rainer Binder-Krieglstein, Dorit Chrysler oder The Striggles, auf deren Schultern sitzen zu dürfen auch uns ein wenig zur Größe gereicht. Gepriesen auch sie!

Klotzen auch dadurch, dass wir am Ende wirklich all das rauslassen, was wir einander aus gruppendynamischer Rücksicht bisher nicht zuzumuten wagten: ein Nirvana-Song hätte auf unseren ersten beiden Alben wahrscheinlich keine Mehrheit gefunden. Und das nun vollkommen schutzlose Nachaußenkehren des Innersten in so manchem Lied brauchte scheint’s auch den nötigen Anlauf, um sich nun gar nix mehr zu scheißen. In Würde, hoffentlich.

14 Songs, davon die Hälfte von uns selbst – für einen als Coverband gegründeten Haufen halten sich am Ende Angeeignetes und Eigenes schön die Waage. Unausgewogen hingegen bleibt bis zum Schluss die Farbpalette unserer Lieder: so richtig bunt wird’s nimmer. Wir haben uns auf dunkelgrau bis tiefschwarz eingeschossen, weil man mit solchen Schattierungen in dieser Welt halt nie ganz falsch liegt. Das wussten schon die von uns verehrten und darum gecoverten Herrn Cash und Cave. Weiters in unserem Liebesradar diesmal: Lana del Rey, Neutral Milk Hotel, Velvet Underground, Ludwig Hirsch und der große Regisseur Sam Peckinpah, dem wir ein mexikanisches Ständchen ins Grab nachsingen.

Ah ja – weil wir uns in Bayern immer schon am besten verstanden fühlten:
„Die Leut richten sich’s ein als ob sie nicht mehr weg wollten von dieser Welt.“
Sepp Bierbichler in Werner Herzogs/Herbert Achternbuschs „Herz aus Glas“.

Als bald gewesene Band unterschreiben wir das nur zu gern. Bittschön, dankschön.

Fritz Ostermayer. David Pfister. Robert Zikmund. Christian Fuchs.

„Es ist wieder so ein schönes Jahr mit dem Münchner Label Trikont. Nicht nur wegen der Neigungsgruppe, Sex , Gewalt und gute Laune aus Wien, zu der wir aber gleich erst kommen (Sie brauchen ja sicher noch einige Zeit, um diesen Bandnamen zu verkraften)..

„..Der Höhepunkt ist schon beim zweiten Song erreicht, „Video Spü“, danach schafft man es eigentlich selten bis zum Schluss, weil es einfach zu gut ist, wie Lana del Reys Kaputnikerotik hier mit dem durchschnittlichen Gutelaune-Weltschmerz eines durchschnittlichen Wieners zusammengeht. Klaustrophobie ist ein österreichischer Vorname, passt auch schön zu Weihnachten..“
FAS

aus FREISTIL:
Das Elegische war der Neigungsgruppe Sex, Gewalt und Gute Laune ja nie fremd, mit Loss mas bleibm legt sie nun ihre Abschiedsplatte vor, die in Titel und Design neckisch Let it be zitiert, aber noch heterogener ist, als das finale Album der Beatles. Wie üblich eignet sich die Neigungsgruppe zum Teil Songs aus dem riesigen Backkatalog der
Popgeschichte aus, wobei man von Lana DelRay bis Lou Reed und Nirvana einem auf den ersten Blick bunten Eklektizismus fröhnt. Das eröffnende „Foi net um“ nach einem von Nick Cave berühmt gemachten Traditional erinnert in seiner riesenhaften emotionalen Gestik und seinem berührenden Text an selige Zeiten von Der Scheitel, den man ruhig als Vorläufer der Neigungsgruppe betrachten darf. Das, was alle Narren unter den Musikhörern bei der Neo-Schlagerband Scheitel damals für Ironie hielten, war ja eher Ausdruck des Gefühls der Differenz, einem Gefühl, zumindest in der Kunst nicht deckungsgleich mit seinen Gefühlen zu existieren, also das, was eher ein postmodernes
äshtetisches Phänomen berührt. Mit anderen Worten,  Der Scheitel wusste um die Falschheit, empfand sie dennoch als Rettung. Durch die Wahl von Lou Reed und Lana DelRay statt Christian Anders und den Bambis wirkt die Neigungsgruppe deutlich weniger ironisch (außer für jene unverbesserlichen Narren, die immer alles weglachen), bleibt aber
ähnlichen Strukturen verhaftet. Wobei das Nicht-Identische freilich ein enorme Zahl an Möglichkeiten eröffnet, vielliecht wüsste ja Lacan hier Zweckdienliches. “Loss mas bleibm” wohnt in seiner heterogenen Machart ohnehin eher das Bewusstsein der Musicbox inne. Als große Klammer dient widerum eine andere, eng verwandte Differenz, nämlich die zwischen dem himmelstürmenden Pathos und der Unmöglichkeit, diese musikalisch adäquat zu vermitteln, was selbst bei einer wesentlich besseren Band als die Neigungsgruppe sie darstellt, nicht ganz so einfach ist. Soap & Skin und Oliver Welter geben einzelnen Stücken (etwa dem in einem Phantasie-Mexiko am Grab von Sam Peckinpahangesiedelten “Wüde Hund”) vokalen Schliff. Ganz nackt will man ja nicht dastehen, selbst wenn keiner hier senkrecht rauskommt. Tolle Platte.
Martin Grasser

aus OHFANCY

Am Ende sind sie alle g‘scheiter. Da kommen die Klugscheißer um die Ecke geschlurft und wollen es schon vorher gewusst haben. Dass die Neigungsgruppe alsbald das Zeitliche segnet und Schluss macht, das – bitteschön – hätte man doch aus den Texten schon herauslesen können. Ja wie denn, verdammt, wenn doch fast jedes ihrer eigenen und angeeigneten Stücke ohnehin den Verfall, den Abschied, das Verlassen und das Aufgeben besingt.
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aus MUCBOOK
Klar, am Ende wollte sie keiner gehen lassen. Im Laufe des Konzerts hatten wohl alle Besucher im vollgesteckten Foyer des Münchner Volkstheaters mitbekommen, dass dies der letzte Auftritt der Neigungsgruppe in München sein sollte, die Band löst sich, wie man so schön sagt, auf, Abschiedsvorstellung, Kehraus.
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ABENDZEITUNG MÜNCHEN:

“… Bei denen war doch immer schon alles aus. Und einen Wikipedia-Artikel gibt es auch noch nicht über die neigungsgruppe Sex, Gewalt und gute Laune. Ist jetzt auch zu spät. Dies hier ist ihr letztes Album. “Loss mas bleibm” heißt es. …”
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aus MUSIKEXPRESS:

“… Bei soviel Schmerz wirkt der so oft als Vergleichsparameter genommene Tom Waits wie einer von den Bay City Rollers.”

aus SÜDDEUTSCHE ZEITUNG:
CD-TIPP & TIPP DES TAGES
“Servus & Baba.
Ein schöneres und dabei heillos größenwahnsinniges Albumcover für das finale Werk einr Quasi-Coverband ist sicherlich nur schwer vorstellbar…”

 

aus Münchner Feuilleton:

aus INTRO:
„Der Kollege am Schreibtisch weiter zeigt die typische Reaktion, die mir bezüglich der Neigungsgruppe schon so vertraut geworden ist: Nach einem Song schiebt er sich symbolisch den Finger in den Hals, deutet Würgegeräusche an, nach dem dritten Stück nur noch hasserfüllte Blicke, bis es dann bei Stück Sechs plötzlich heißt: „Okay, langsam gefällt‘s mir auch.“ Zu Recht. Wie geil diese Band und Platte wieder ist. Bestehend aus diversen für die abgeschottete Bundesrepublik eher nicht so prominenten Playern der österreichischen FM4-Promi-Szene, spielt die Neigungsgruppe bekannte und weniger bekannte Popmelodien nach und versieht sie mit eigenen Texten. Austro-Pop für Checker und Depressive. Malmend verbeißt man sich mit wechselnden Sängern und heiligem musikalischen Ernst in den eigenen düsteren Witz. Lana Del Reys Glocken klingen durch, das Stück dazu heißt ganz einfach „Video Spü“, und in die ganze Alternativecountryvolksmusik-Herrlichkeit  mischt sich die Information, dies werde das letzte Album der Band sein. Untergang auf allen Ebenen. Wunderschön.“
Linus Volksmann

Hier zum Artikel auf INTRO.de

NEIGUNGSGRUPPE mit “FOI NED UM” im ORF bei Willkommen Österreich:


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