Universal González – Universal González

Universal González - Universal GonzálezAls vorletztes Jahr der Kölner Elektroniker Justus Köhncke (unter anderem Whirlpool Productions) in seine “Spiralen der Erinnerung” eintauchte, suchte er tradierte Popsongs mittels eines zarten Gesangs und sanfter Elektronik in einen eigenen, neuzeitlichen Kosmos zu überführen. Was Köhncke mit einzelnen Songs gelang, schaffen nun Universal Gonzalez mit einem ganzen Genre. Das Hamburger Quartett um die Szenegrößen Jaques Palminger, Reverend Ch.D., Chris Dietermann und eben Caludia Gonzalez befreit den deutschsprachigen Chanson von seiner meist peinlichen Vergangenheit und übersetzt ihn in die Sprache der eigenen Gegenwart.
Palminger schreibt die Lieder, Gonzalez singt. Und beide legen sich dabei gerne zum Schlager ins Bett, um dann aber unter quälenden Albträumen aufzuwachen. Natürlich ist meist die gescheiterte Liebe daran schuld. Es wird tatsächlich viel gelitten auf dieser Platte, und selbst ein unerwartetes Glück unter Männern im Knast (“Gefängnismelodie”) steht im Schatten eines Sozialrealismus, der jedoch eher nüchtern und sensibel bleibt. Ansonsten verläuft die Platte so friedvoll wie eine Bootsfahrt auf dem Ententeich. Gerade die zum Teil ins Deutsche übertragenen Coverversionen (unter anderem von Psychic TV, Serge Gainsbourg und Carlos Jobim) sorgen für Unbeschwertheit bei leicht gekräuselter Oberfläche. Darunter, man ahnt es schon, lauert ein meilentiefer Grund.

Michael Hess – Szene Hamburg