Serenaden satt – „Zwirbeldirn“ veröffentlichen die „Scheibe eins” / Landshuter Zeitung

Von Claudia Hagn

Allen, die sich dafür schämen, wenn sie eine Gänsehaut vor Freude bekommen, sei es gleich mal gesagt: Bei der „Giesinger Mond-Serenade“ von Zwirbeldirn, verewigt auf deren erster CD, sollten sich diejenigen einen Pullover anziehen. Oder wahlweise die Serenade nur allein irgendwo hören, im Bett, bei Nacht oder im Auto. Die Serenade an den Mond oder an Giesing oder einfach an das Leben stellt ziemlich weit hinten auf der prägnant betitelten „Scheibe eins“ des Zwirbeldirn-Quartetts einen Höhepunkt dar: So verzaubert, so herrlich sanft und dennoch kräftig kommt sie daher, diese Serenade, besungen und bespielt von Simon Ackermann, Maria Hafner, Evi Keglmaier und Beatrix Klöckner. Doch
diese zauberhafte Serenade ist nur eines von 17 Stücken (plus Bonusvideo !), das den Weg auf die Scheibe eins gefunden hat. Wie eine Scheibe sieht die bei Trikont veröffentlichte CD auch aus, wenn sie aus der grünen Hülle kommt: Eine alte Schießscheibe mit Hirsch und leichtbekleideter junger Dame ziert den Silberling und zeigt schon bevor überhaupt die Musik erklingt: Das könnten all die mögen, die nicht das mögen, was alle mögen – nämlich handgemachte, manchmal etwas abseitige, meist unkonventionelle, meist ein ganz klein wenig sich wohltuend von der Masse abhebende Musik. Musik gemacht mit Geige, Bratsche, Gesang, Kontrabass und Ukulele. Nicht immer singen die Vier, manchmal darf’s auch ein Galopp ganz ohne Stimme sein, doch oft, wie zum Beispiel beim herrlichen „Hausball bei Brezina“, beim „Wildschütz“, bei eben der „Giesinger Mond-Serenade“ und bei „So ist ein Boy“ (im Original von den – man höre und staune ! – Jacob Sisters) hört man die drei Musikerinnen (und manchmal auch den einen Musiker) singen. Gefunden haben Zwirbeldirn ihre vielen schönen Lieder überall: In niederbayerischen Handschriften, bei früheren Musikgruppen wie dem „Waldschnepfen-Terzett“, im Internet bei Youtube und natürlich auch bei sich selber. Da geht es zum Beispiel um die Künstlerin Yvonne in „Wurst und Poesie“, die es – so sagen jedenfalls die Vier von Zwirbeldirn – wie keine andere des Metzgerstandes versteht, Wurst und Poesie zu einer Einheit verschmelzen zu lassen. Was besonders sympathisch bei der Scheibe eins auffällt, ist die bei jeder Einspielung spürbare grad rechte Ungeschliffenheit. Ziehen Sie sich also Ihren Pullover an, wenn Sie Zwirbeldirn hören und die „Giesinger Mond-Serenade“ naht. Oder lassen Sie einfach der Gänsehaut freien Lauf. Denn: Wann hat man schon mal die Möglichkeit dazu ?