Attwenger – Die Attwenger DVD

attwenger dvdAttwenger sind “ein Nichts, ein Häufchen Musikband” (Jochen Distelmayer): Markus Binder und Hans-Peter Falkner, Schlagzeug und Ziehharmonika, ein Phänomen, das, so Wolfgang Kos einmal, “jederzeit einstürzen kann .hoffentlich!”. Immerhin haben sie bereits zwei Kinofilme inspiriert, die hier erstmals auf einer DVD vereint präsentiert werden: ATTWENGERFILM, ein Kollaborationsprojekt mehrerer Regisseure, initiiert von Wolfgang Murnberger. Und ATTWENGER ADVENTURE, eine Dokumentation des jungen Linzer Regisseurs Markus Kaiser-Mühlecker, die die beiden Musiker zunehmend in ein abgefahrenes Home-Movie verwandeln.

1. Attwengerfilm WOLFGANG MURNBERGER, 1995
IDEE: Wolfgang Murnberger
GESTALTUNG: Markus Binder, Hans-Peter Falkner, Florian Flicker, Wolfgang Murnberger, Bernhard Weirather
PRODUZENT: Erich Lackner
TRICKFILME: Martin Anibas, Herbert Schager, Bady Minck, Sabine Groschup, Thomas Renolder, Pepi Öttl
KAMERA: Fabian Eder
LICHT: Werner Stiebitz
SCHNITT: Bernhard Weirather & Evi Romen

2. Attwenger Adventure MARKUS KAISER-MÜHLECKER, 2007
PRODUKTION, KONZEPT, REGIE: Markus Kaiser-Mühlecker
KAMERA: R. Weinzettl, M. Kaiser-Mühlecker, M. Komarek, P. Mitterhauser, J. Kubizek, S. Huber, R. Hack, M. Sochor, P. Sihorsch, W. Maier

“Gedscho wieda weida!”
ATTWENGER

“Dass wir zwei sie spielen!”
Über die Schönheit des Misserfolgs bei Attwenger
Von Markus Binder

attwenger 1991Die drei meistgestellten Fragen, die an Attwenger gerichtet werden, gehen so: woher kommt der Name Attwenger? Wie würdet ihr die Musik beschreiben, die ihr spielt? Gibt es die beiden Attwengerfilme auf DVD?

Und die Antworten:
Erstens: Der Name Attwenger stammt aus einem Gstanzl, das ist ein gereimter, meist vierzeiliger, im Dialekt gesungener Text. Es gibt auch sechszeilige Gstanzln, wie zum Beispiel das, in dem der Name Attwenger auftaucht, und das geht so: “Da Attwenger Tischler die liabe Maus hod jo irwengst so an Rausch. Hea in geh do mog der Gsö schia jo ned dazahn sei Gschtö. Da Schnurrboat wogsad a waun da Grund ned schlecht wa.”
Attwenger klingt gut, und als wir am 12. April 1990 in die Arena nach Wien fuhren, nahmen wir den Namen für diesen Auftritt, bei dem wir zum ersten Mal mit Quetschn und Schlagzeug und das Ganze mit Verstärkung gespielt haben. Wir waren die letzte Band des Abends, und als wir mit unserem Auftritt an die Reihe kamen, war es schon fast drei Uhr morgens und außer der Band, die vor uns gespielt hatte, den Trees, waren kaum noch Leute im Saal, vielleicht zehn, von denen einer immer schrie, dass das, was wir da spielten, ein kompletter Topfen wäre und überhaupt keine Zukunft hätte.
Wir selbst hingegen fanden die Idee, den Stücken, die wir seit Anfang 1989 im Quintett Urfahraner Durchbruch und dann als Duo Die Goas spielten, einen härteren, schnelleren, lauteren Drall zu geben, nicht schlecht und spielten in den folgenden Monaten ein paar Konzerte, vorwiegend in Oberösterreich, eins davon bei einem der legendären Motsch-Feste in Lembach.
Dieses Konzert wurde mitgeschnitten und auf einer Kassette in einem farbkopierten Kartonschuber veröffentlicht, und zwar beim Label unseres Vertrauens, Nur Scheiß Records, ansässig im Kanal Schwertberg. Dort ließen sie uns auch den Proberaum benutzen, was nötig wurde, weil die Plattenfirma Trikont in München diese Kassette in die Hände bekam und uns anbot, bei ihnen einen Longplayer zu veröffentlichen, was wir dann im Frühjahr 1991 auch machten. Bislang haben wir bei Trikont sieben Alben veröffentlicht: Most 91, Pflug 92, Luft 93, Song 97, Sun 02, Dog 05 und Dog2 06.
Was nun den Attwenger Tischler betrifft: Den hat die Tatsache, dass wir seinen Namen für unsere Musik verwenden, nicht besonders interessiert. Aber gestört hat es ihn auch nicht. Erst der gegenwärtige Attwenger Tischler, gleichnamiger Nachfolger unseres inzwischen verstorbenen Namensgebers, tauchte eines Tages bei einem Attwenger-Konzert auf, um uns ein Attwenger-T-Shirt, nämlich eins von seiner Tischlerei, zu schenken, das wir gern gegen eins von unserer Band eintauschten.

Die Beantwortung der zweiten Frage, welche Musik wir machen, ist viel einfacher, und zwar deshalb, weil sie sich gar nicht wirklich beantworten lässt. Oder vielmehr mit jedem Album wieder neu zu beantworten ist. Dazu eine kleine Etüde von Zitaten aus der Presse, in zeitlich ansteigender Form:
- Es funktioniert, es fährt, es fliegt. Vor Attwenger hat das bloß noch niemand bemerkt – Sie stellen heraus, dass Volksmusik immer Punk war – Eine wüste, schmutzige Musik – Attwenger sind nicht nur die virtuosesten, sondern auch die widersprüchlichsten Rabauken, die das Popgeschäft in jüngster Zeit heimgesucht haben – Gänzlich unerwartete Musik, die nicht nur libidinös, sondern auch hochintelligent ist – I have no idea what it’s all about, but I like the general noise a great deal – They could fill clubs in New York – Live Grooving Downbeat Slang Sound – Mundart-Dub, dadaistischer Groove-Pop und unterschwellig irritierende Gemütlichkeit – Ungeschliffene Elektro-Beats, räudige Sounds, radikal ratternde Ziehharmonika, brutales Schlagzeug und großartige Texte – Gemeinplätze. Mit der Betonung auf gemein – Der Dialekt der Aufklärung – Ein Bastard aus Polka, Elektro und vereinzelt Blues – Quetschnpunkdadaisten, Folkloreelektronikrocker und Mentalitätskritiker.
Und als neulich eine Redakteurin des Lokalsenders die Frage stellte: “Was ist das Besondere an eurer Musik?” und zur Antwort bekam: “Dass wir zwei sie spielen!”, dachte sich mindestens die Hälfte, die das hörte: Verarschung. Nur: Es stimmt. Und erläutert nebenbei die immer wieder geäußerte Feststellung, warum es nicht noch andere Bands gibt wie die unsrige.

Die Beantwortung der dritten Frage, ob es die beiden Filme über Attwenger auf DVD gibt, hat sich inzwischen auch erledigt, weil nämlich beide Filme auf der hier eingepackten DVD drauf sind. Der erste Film wurde 1993/94 gedreht. Wolfgang Murnberger ging davon aus, dass diese Attwenger einfach dokumentiert werden sollten. Beim zweiten Versuch ist dann kein Filmteam mehr mit Scheinwerfern etc. aufgetaucht, sondern Markus Kaiser-Mühlecker mit seiner Videokamera. Das ganze Jahr 2006 hindurch.
Für uns sind die beiden Filme, entstanden in einem zeitlichen Abstand von 12 Jahren, eine Supergelegenheit, um nachzuschauen, was wir alles so gemacht haben. Bei Bands, die über lange Jahre unterwegs sind, stellt sich ja gelegentlich die Frage: Ist diese Band immer wieder eine andere Band mit einer anderen Musik oder geht es hier um Variationen derselben Musik, die sich einfach im Lauf der Jahre ständig verändert. Kommentare dazu weiter oben im Text.
Über die Frage, wie das Attwengern funktioniert, hätten sich beide Filmemacher von uns gern Auskünfte erwartet, die wir aber nicht geliefert haben, vielleicht deshalb, weil wir selbst anscheinend
gar nicht wissen, was wir da eigentlich machen bzw. würden wir es wissen, es gar nicht machen könnten, wie Jörg Sundermeier vom Berliner Verbrecher-Verlag in Attwenger Adventure mutmaßt: “Was mich am meisten an Attwenger interessiert, ist, dass Attwenger etwas machen, was andere nicht machen. Und ich glaube tatsächlich ernsthaft, weil ihr überhaupt nicht wisst, was ihr eigentlich macht. Ihr versteht das überhaupt nicht. Ihr wollt etwas machen und das misslingt euch. Aber in diesem Misslingen gelingt etwas viel Schöneres. Ich glaube, hinter Attwenger steht ein Pop-Entwurf, eine Idee, eine Ästhetik, die man überhaupt nicht erfüllen kann, die überhaupt nicht funktioniert. Und was dabei aber dann herauskommt, das ist interessant.”
Finde ich nicht schlecht. Aber vielleicht verstehen wir das, was wir machen, ja dann, wenn die im Showgeschäft übliche Täuschung irgendwann ihre Wirkung verloren hat und das Faszinierende heruntergerechnet ist auf seine bloßen Bestandteile. Nur: Genau um das geht es uns aber auch dauernd. Oder wir kommen drauf, indem wir einfach nicht so wenig machen, wie Labelkollege Hans Söllner im selben Film meint: “I glaub, dass die Attwenger wirklich sehr wenig mochan. Muas i gauns ehrlich song. Oiso i glaub, dass die wenig mochan einfoch. Oiso i glaub, dass die zu wenig mochan.” Zumindest aber gibt es einen kleinen Ausschnitt dessen, was wir dann doch alles so gemacht haben bisher, jetzt auf dieser DVD.

Markus Binder in den Linernotes der DVD

Attwenger sind "ein Nichts, ein Häufchen Musikband" (Jochen Distelmayer): Markus Binder und Hans-Peter Falkner, Schlagzeug und Ziehharmonika, ein Phänomen, das, so Wolfgang Kos einmal, "jederzeit einstürzen kann .hoffentlich!". Immerhin haben sie bereits zwei Kinofilme inspiriert, die hier erstmals auf einer DVD vereint präsentiert werden: ATTWENGERFILM, ein Kollaborationsprojekt mehrerer Regisseure, initiiert von Wolfgang Murnberger. Und ATTWENGER ADVENTURE, eine Dokumentation des jungen Linzer Regisseurs Markus Kaiser-Mühlecker, die die beiden Musiker zunehmend in ein abgefahrenes Home-Movie verwandeln.

1. Attwengerfilm WOLFGANG MURNBERGER, 1995
IDEE: Wolfgang Murnberger
GESTALTUNG: Markus Binder, Hans-Peter Falkner, Florian Flicker, Wolfgang Murnberger, Bernhard Weirather
PRODUZENT: Erich Lackner
TRICKFILME: Martin Anibas, Herbert Schager, Bady Minck, Sabine Groschup, Thomas Renolder, Pepi Öttl
KAMERA: Fabian Eder
LICHT: Werner Stiebitz
SCHNITT: Bernhard Weirather & Evi Romen

2. Attwenger Adventure MARKUS KAISER-MÜHLECKER, 2007
PRODUKTION, KONZEPT, REGIE: Markus Kaiser-Mühlecker
KAMERA: R. Weinzettl, M. Kaiser-Mühlecker, M. Komarek, P. Mitterhauser, J. Kubizek, S. Huber, R. Hack, M. Sochor, P. Sihorsch, W. Maier

"Gedscho wieda weida!"
ATTWENGER

"Dass wir zwei sie spielen!"
Über die Schönheit des Misserfolgs bei Attwenger
Von Markus Binder

TRIKONT US-0393-8 Doppel-DVD in Digipak - Format 4:3 Dolby Stereo 2.0 + Extras. Erschienen in der Reihe "Der österreichische Film / Edition Der Standard " (Nr 106). Herausgegeben von Hoanzl, Der Standard und filmarchiv austria (Wien). Im Vertrieb von TrikontPreis: 12.- €

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"Der Titel sagt alles. Ein Film über ATTWENGER, jenes legendäre Zweigespann aus Oberösterreich, das mit minimalistischen Mitteln der österreichischen Volksmusik neuen Sinn gab und sich konsequent und erfolgreich der Vereinnahmung durch Musik- und Medienindustrie widersetzte."

"Mit seiner wilden Mischung aus Punk und Volksmusik hat sich das kuriose österreichische Duo "Attwenger" in der Alpenregion Kultstatus erspielt. Der Musik- und Dokumentarstreifen "Attwengerfilm" versucht mit Konzertausschnitten, Videos und Gesprächen eine Annäherung an die extrem öffentlichkeitsscheue Band, die sich 1995 erstmals aufgelöst hat."

"ATTWENGER sind: Markus Binder am Schlagzeug und Hans-Peter Falkner an der Ziehharmonika. ATTWENGERFILM ist eine Montage aus: Konzertmitschnitten, privaten Auftritten (ja, es handelt sich um Auftritte, denn Interviews mit ATTWENGER funktionieren selten nach dem konventionellen Rhythmus des Frage/Antwort-Spiels), Interviews mit Musikkennern und einer Reihe von Trickfilmen, die kadergenau auf die Musik hinkonzipiert wurden."

Schnipsel, Musik und Klischees nach Noten
Bilder. Mal quietschebunt, mal verwaschen schwarzweiß. Mal Trick-, mal Realfilm. Statements. Mal verworren-amüsant, mal analytisch-informativ. Musik. Und immer wieder Musik. Mal Schlagzeug, mal Ziehharmonika. Oder beides. Fast immer mit Worten unterlegt. Der "Attwengerfilm" des Österreichers Wolfgang Murnberger ist ein Schnipselfilm.
Nicht als Dokumentation will der Regisseur ihn verstanden wissen, sondern als Musikfilm. Als ob das eine das andere ausschließen würde. Aber schließlich hat hier einer der hoffnungsvollsten österreichischen Filmemacher, der mit dem bewegenden Jugend-Drama "Himmel oder Hölle" und dem überaus poesievollen filmischen Wehrpflicht-Tagebuch "Ich gelobe" zwei superbe Spielfilme inszenierte, auch zwei ungewöhnliche Musiker zum Thema.
Denn damit das schon mal für immer klar ist: Die beiden Oberösterreicher Markus Binder und Hans-Peter Falkner, unter dem Namen "Attwenger" als Vertreter einer "Neuen Volksmusik" zu einigem Ruhm gekommen, sind ganz anders: In Interviews geben sie sich wortfaul, verschlafen, behäbig, lustlos. In ihrer Musik mischen sie wild Pogo und Punk; Schlagzeug und Akkordeon entlocken sie fröhliche Hiphop-Grooves; und ihre Texte, mal genuschelt, mal im Stakkato heruntergerattert, sind nie verständlich, aber immer doch auf vertrackte Art witzig.
Ähnlich munter wie die Musik ist die Dokumentation. Bunte, eigens für den Film zusammengestellte Video-Clips unterstreichen die Spielfreude dieses Alpen-Duos. Verwackelte, blasse Aufnahmen von Heim, Herd, Studio oder von einer Tournee nach Simbabwe (!) wirken so vorläufig und spontan wie die Kompositionen der beiden. Und die Statements sogenannter Experten - Publizisten, Musikwissenschaftler, Journalisten, Musiker - sind von einigem unfreiwilligen Unterhaltungswert. Sie labern bedeutungsschwanger von Authentizität in der Volksmusik, deklarieren "Attwenger" als "Bauernaufstand" oder philosophieren, daß das "Phänomen Attwenger" etwas sich stets Entwickelndes sei.
Das Interessanteste war noch der Hinweis auf "Attwenger" als "großes Design-Produkt". Interview-Verweigerung, eine stets sich verändernde Musik, das bewußte Spiel mit den Klischees der Volksmusik - alles eine Pose, reine Theatralik?
Nach dem letztes Jahr gedrehten Film jedenfalls, so liest man, gab es "Attwenger" nicht mehr. Obwohl ihnen im Film noch eine hoffnungsvolle Zukunft prophezeit wird. Die Realität hat die bunte Bilderwelt überlebt. Ein Schicksal, das den vergnüglichen wie informativen "Attwengerfilm" hoffentlich nicht ereilen wird.
(Filmkritik von EBERHARD von ELTERLEIN aus DIE WELT)

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Ein Film von Wolfgang Murnberger (Ich gelobe, Himmel oder Hölle, Komm, süsser Tod) VHS-Videokassette /1996 Preis: 15.- €

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