John Peel (30.08.1939 – 26.10.2004)

“John Peel was the only important DJ left in the world.”
Jack White, The White Stripes


JOHN PEEL wurde in Heswall, in er Nähe von Liverpool, am 30. August 1939 geboren. In den 60er Jahren arbeitete er als DJ in den USA. 1967 wechelte er zum Piratensender Radio London. Von 1969 bis 1972 betrieb er das Dandelion Schallplattenlabel und arbeitete gleichzeitig als DJ für den damals neu ins Leben gerufenen Popkanal der BBC, wo er bis zu seinem Tod am 26. Oktober 2004 beschäftigt war.


PEEL ‘N’ PIG

THE MAKING OF …

Der Anruf kam aus heiterem Himmel und ließ meinen Puls nach oben gehen: ”Ob Trikont daran interessiert wäre, eine CD mit seinen Lieblingsschellacktiteln zu veröffentlichen. Ihm würde kein anderes Plattenlabel dafür einfallen.” John Peel war am Telefon und schlug eine Zusammenarbeit vor.

Peel war seit einiger Zeit ein Fan von Trikont, und wir zählten ihn seit langem zu unseren Heroen. In seiner wunderbaren Radioshow auf Radio One der BBC hatte er neben den kommenden Trends, er spielte Bands wie die ”White Stripes” lange bevor sie bekannt wurden, und neben seinen Helden wie The Fall, The Delgados, Pulp und Captain Beefheart auch immer wieder die neuesten Trikont-Veröffentlichungen vorgestellt. Nicht nur Attwenger, auch American Polka, Michael Hurley und Hillbilly Music, Soul, Russendisko, Gospel und Texas Bohemia. Er konfrontierte
P.J. Harvey mit den verrückten DeZurik Sisters von der “American Yodeling”- CD: ”Polly, jemals jodeln probiert?” Drei Monate lang spielte er jeden einzelnen La Paloma-Titel der vier CDs und schrieb darüber in der britische Fernseh-Zeitung The Radio Times: ”Dies ist genau jene Art von nutzloser Aktivität, die ich absolut gut finde. Es handelt sich um ein Plattenprojekt der Trikont-Schallplattenfirma, sicher die einzige kommerzielle Organisation mit Büros in München und Hebden Bridge. Sie hat eine Reihe von CDs veröffentlicht, die einzig und allein Aufnahmen von La Paloma enthalten. Bis jetzt sind vier CDs erschienen mit, wenn ich mich richtig erinnere, 108 verschiedenen La Paloma-Aufnahmen. Ich hoffe, dass weitere erscheinen werden.”
Wir sahen in Peel einen Bruder im Geiste, der seinem eigenen ästhetischen Kompass folgte und nicht über jedes Stöckchen sprang, das ihm die Pop-Industrie hinhielt. Im Gegenteil: John Peel stellte Behauptungen auf mit jedem Titel, den er spielte, Urteile, die meistens der Weisheit des Pop-Mainstreams widersprachen. Er sah seine Aufgabe nicht als Erfüllungsgehilfe der Major-Labels, sondern wollte seine Hörer mit Neuem und Aufregendem bekannt machen. Sein Enthusiasmus war grenzenlos und ansteckend. Seine Integrität und Autorität unanfechtbar. Wenn Peel eine Nummer spielte, hatte das Gewicht. Seine Radioshow, die von der BBC immer mehr in die Nacht hineinverlegt wurde, war ein Gesamtkunstwerk, das einem den Glauben an die Popmusik zurückgab, als einer kreativen radikalen Kraft, die etwas Wesentliches zum Hier und Jetzt
beizutragen hatte. Und dann spielte er in jeder Sendung zwischen Grunge, Drum ‘n’ Bass und TripHop eine Schellackplatte, die er mit seiner Frau Sheila (Kosename:
The Pig) ausgesucht hatte. Sie übernahm auch die Ansage: ”The Pig’s Big 78”. Nach seinem Anruf hatte John Peel eine CD mit den Aufnahmen geschickt: 23 wundervolle und sonderbare Titel. Das Projekt war kurz vor dem Abschluß, als er im Oktober 2004 im Urlaub in Peru an einer Herzattacke starb. Neun Monate später machte sich seine Frau Sheila Ravenscroft daran, die CD zu Ende zu führen. Sie erläuterte ausführlich, warum sie und John die jeweiligen Titel ausgesucht hatten, erzählte Anekdoten und kleine Geschichten zu einzelnen Stücken, wodurch deren oft sehr persönliche Bedeutung klar wurde. Die Ausführungen machten deutlich, wie und warum diese wilde bunte Auswahl zustande gekommen war, die von englischer Blasmusik, frühem Rock ‘n’ Roll, schmachtender Tanzmusik, über Geräusch-Imitatoren, New Orleans Jazz und komischen Szenen bis zu einem Jodeltitel und traditioneller Musik aus China und Afrika reicht. Ein typischer Peel-Mix, der uns noch einmal schmerzlich vor Augen führt, welche Lücke sein Tod gerissen hat.

Christoph Wagner

 

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