Eric Pfeil – Radio Gelato

Die neue Sommer-Single des Songwriters Eric Pfeil: Eine himmelhoch jauchzend/zu Tode betrübte Verbeugung vor dem Italo-Pop der frühen 80er. Und endlich mal wieder ein Tanzvideo mit vollem Einsatz. Beach-Dancing bei 30 Grad plus. Einfach selber mal versuchen:

 

Eric Pfeil  Radio Gelato
Weil es so schön zur hier behandelten Musik passt, stellen Sie sich diesen Text bitte als einen jener Ergüsse vor, die bis in die 1970er-Jahre hinein die rückwärtigen Cover von Schallplatten zierten, und in denen in heller Begeisterung entflammte Menschen — in der Regel Journalisten oder Autoren musikalischer Fachbücher, welche damals wohl noch ein veritables Einkommen garantierten — die Verdienste und Vorzüge der Interpreten priesen. Manchmal priesen sie auch bloß ihre Kleidung, ihre Frisuren oder, wie man damals zu sagen pflegte, ihren Sex-Appeal, selbstredend mit weichem „S“ wie in „selbstredend“ und „Manfred Sexauer“. Der Übersichtlichkeit halber werde ich mich hier auf das Preisen der musikalischen Leistung des Künstlers beschränken, obwohl sich auch in allen anderen der zuvor genannten Kategorien und darüber hinaus durchaus allerhand Preisenswertes finden ließe.

Ursprünglich wollte ich diesen Text mit einem Anruf beginnen lassen, den ich aus der Einsatzleitstelle der bekannten Plattenfirma Trikont  in der Chefetage des Trikont-Towers in München erhielt. Ein Anruf, in dem mich ein hochrangiger Mitarbeiter des Unternehmens aus meinem musikjournalistischen Ruhestand holen und vom Schreiben meines neuesten musikalischen Fachbuches abhalten wollte, damit ich einige wohlwollende Zeilen, zur „Speerspitze der diesjährigen Trikont-Sommer-Offensive, der neuen Single von Eric Pfeil“ verfasse. Diese Einleitung wäre, so hoffte ich, als witzig empfunden worden, da schließlich jedes Kind weiß, dass Trikont kein in einem babelturmartigen Hochhaus residierender multinationaler Konzern sondern ein hochverdientes Kleinstlabel ist, das schon ob seiner linken, pazifistischen Prägung niemals Begriffe wie „Speerspitze“ und „Sommeroffensive“ verwenden würde.

Nach reiflicher Überlegung verwarf ich diese Idee jedoch wieder. Maßgeblich, aufgrund der Vorstellung, man könnte „Radio Gelato“, Eric Pfeils Ode an die italienische Popmusik der anbrechenden 80er-Jahre, an das Song-Festival San Remo und seine Helden wie Umberto Tozzi, Alan Sorrenti, Claudia Mori etc, jenen Song also, um den es im Folgenden hier nun auch endlich gehen soll, aufgrund meines fahrlässigen Geschreibsels als „humoristische Italo-Pastiche“ und somit als eine Art Novelty-Musica-Leggera abtun. Davon ist „Radio Gelato“ allerdings so weit entfernt, wie Eric Pfeil von Bruce und Bongo.  Nun hat der Kölner Troubadour mit seinem letztjährigen Album „Ich habe mir noch nie viel aus dem Tag gemacht“ durchaus einen feinen Humor bewiesen,  der aber vor allem deshalb so hell funkelte, weil er in ein weiches, warmes Bett aus Melancholie und Nonchalance gebettet war. Pfeil balancierte dabei so überzeugend mit den Armen rudernd auf der sechsspurigen Autobahn zwischen Banalität und Exzentrik, dass man den Eindruck bekam, es handele sich tatsächlich um einen Drahtseilakt, wie er sonst nur seinen erklärten Idolen Jonathan Richman und Adriano Celentano einigermaßen überzeugend gelingt.  Mit „Radio Gelato“, dem, wie der Künstler selbst sagt, „Abschluss des Spielens mit meiner Italo-Pop-Vorliebe (das kommende Album klingt nämlich ganz anders)“, treibt er nun vieles von dem, was dieses Album auszeichnet — die unbändige Lust an Sprache und am Geschichtenerzählen ohne dabei allzuviel unnötige Worte zu machen; die Leichtigkeit der Arrangements und Melodien;  den unbeschwerten Spaß am Zitat; die Leidenschaft für die Schönheit des Vergänglichen;  die vor allem in den fast schon albern-ausgelassen daher schallernden Harmoniegesängen manifestierte Überzeugung, dass Pop Lebensinhalt sein darf, ohne Sinn stiften zu müssen — auf die Spitze, ohne es dabei je zu übertreiben. Eric Pfeil ist mit „Radio Gelato“ der Kunstgriff gelungen, geleitet vom unbedingten Willen, einen Sommerhit zu schreiben, genau das zu vollbringen. Das Ergebnis aber dennoch klingen zu lassen, als hätte er es zwischen Luftmatratzenaufpusten und Angeln aus dem Ärmel geschüttelt. Wie so ziemlich alle Songs von Eric Pfeil ist auch „Radio Gelato“ ein Liebeslied, eine ganz und gar unhymnische, sondern vielmehr rechtschaffen beschwingte Hymne an die Liebe und ihre Flüchtigkeit. Obwohl dezidierte Verbeugung vor den schulterpolsterbewehrten Cantori seines Sehnsuchtsortes Italien, die die abblätternden Kulissen San Remos noch einmal in ihrer vollen, bonbonfarbenen Pracht auferstehen lässt, ist „Radio Gelato“ im Grunde eine Liebeserklärung an jede Musik, die schwelgerische Leichtigkeit mit tiefer Sehnsucht verbindet. Dargeboten von einem Bajazzo — jener Figur,  die diese Musik immer schon überzeugender verkörpert hat, als alle Rebellen, Leidensmänner und Alltagsbeobachter zusammen — in Lederschuhen, knittrigem Hemd und Leinenjackett, mit einem Pfeifen auf dem Lippen, einer Träne im Knopfloch und, um eine der vielen tollen Kritiken zu seinem Album zitieren, einem Herz aus Pop.

Egal, ob Sie sich diesen Sommer also nur auf den Gang in die Eisdiele  vorbereiten, auf dem Balkon ihr eigenes San Remo Festival veranstalten wollen oder nur mal wieder nicht wissen, ob Sie lachen oder weinen sollen: Ich empfehle Ihnen, „Radio Gelato“ zu hören —  und sei es auch nur, weil Sie danach so viel Musik hören werden, wie seit Jahren nicht mehr, um diesen hartnäckigen Ohrwurm wieder aus ihre Gehörgängen zu spülen. Am besten Eric Pfeils famoses Album „Ich habe mir noch nie viel aus dem Tag gemacht“, denn damit verhelfen sie Trikont vielleicht doch noch zu einer repräsentativen Unternehmenszentrale, von wo dann hoffentlich seine längst überfällige Weltkarriere dirigiert werden wird.

Stephan Glietsch       

 

 

 

 

 

 

 

 

Eric Pfeil "Radio Gelato"
(Trikont DIGITAL US-0473)
Die Sommerhit-Single von Eric Pfeil ist nur im digitalen Format erschienen und auf allen Download & Streaming Plattformen, aber momentan nicht bei uns im Shop erhältlich:


 

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